Meine heutige Vorstellung betrifft Medaka. Ein Beginners Guide to Medaka, Medaka for Dummies oder eine Einführung in den Medaka-Farben-Wahnsinn 🙃
Die einen lieben sie, andere lehnen sie als Zierform und „Modetrend“ strikt ab. Für mich sind sie angewandte Genetik und Zuchtspielerei, die man gleichzeitig auch sehr gut im Teich sehen kann. Im Gegensatz zu manchen Wildformen 😁
Genauso viele Meinungen gibt es auch zur Haltung, weshalb ich hier nicht auf die Haltungsbedingungen eingehe. Vor allem möchte ich Anfängern einen Leitfaden geben, sich in dem Namenswirrwarr zurecht zu finden und einige Grundbegriffe wie Miyuki und Lamé erklären.
Grundsätzlich gilt: Medaka sind sehr variabel! Selbst wenn eine Linie eine eindeutige Beschreibung ihrer Merkmale im Namen hat, ist es oft schwer, diese auch zu erhalten, ohne Massen an Nachwuchs zu ziehen. Das ist gerade dann wichtig, wenn man die Flut neuer Linien aus Asien betrachtet. Ohne ausreichend eigenen Nachwuchs kann man dann nicht sagen, ob alle Tiere aus der Linie so aussehen, oder ob das Paar 2 aus 200 sind.
Grundfarben
Grundsätzlich gibt es bei Medaka zwei Grundfarben: Gelborange und Grau/ Schwarz. Weiß ist die Abwesenheit beider Farben (oder manchmal auch eine extreme Aufhellung davon), die Wildform braun kommt zur Geltung, wenn beide Farben veranlagt sind. Ob blau, gelb oder gefleckt, alles lässt sich auf diese Farben zurückführen.




Gleichzeitig muss man bedenken, dass es einen extremen Unterschied zwischen Indoor- und Outdoorfärbung gibt. Tiere drinnen sind grundlegend heller/ blasser. So kann ein grauer Fisch drinnen sehr bläulich wirken. Draußen ist die Enttäuschung dann groß und der Fisch dunkelt teilweise extrem nach und ist fast schwarz. Teilweise färben Tiere auch mit dem Alter nach, wodurch jugendliche Tiere anders aussehen, als die ausgewachsenen Tiere!
– Weiß
Weiß gibt es in grundsätzlich in der Wahrnehmung her nur in einer Variante: das Abwesendsein oder das starke Aufgehellt-/Verdünntsein anderer Farben. Weil es davon viele verschiedene Optionen gibt, ist weiß ist nicht gleich weiß! Mal ist der Körper durchsichtig, mal eher deckend milchig weiß, mal wirken Kopf und Körper leicht pink, mal kaltweiß/bläulich-weiß und auch mal warmweiss… je nachdem wie die verschiedenen Zellen und Gewebe ge- oder entfärbt sind.








– Orange
Hier gibt es zwei Varianten, flächig orange oder gefleckt (Flecken Orange, unterbrochen durch Flecken mit fehlendem Orange)
Flächig gefärbte Tiere fallen unter den Sammelbegriff „Youkihi“ (auch Yōkihi geschrieben) oder „Yang Guifei“, solange sie keine spezielle Selektion sind, wie z.B. Red King. Diese sind auf intensives Orange selektiert, was dadurch auch Indoor sehr kräftig ist. Richtige, selektierte Red King gibt es in Deutschland nur noch sehr selten, nur ein Züchter (Daniel Messner / Medaka Berlin) ist mir hier noch bekannt. Viele andere Red King fallen unter Youkihi, manche gewerbliche Anbieter bieten sogar mit orange-weiß gefleckte oder orange-schwarz-marmorierte Tiere unter dem Namen an. Man muss allerdings sagen, normale Youkihi sind ausgewachsen, nach dem ersten Winter, kräftig orange. Red King bieten daher vor allem Indoor einen Vorteil.


Auch gelbe oder rosa farbene Tiere fallen genetisch gesehen unter orange. (Gelb dunkelt mit dem Alter oft nach und wird orange, oder es fallen nur wenig gelbe Tiere im Nachwuchs, wieso es auch kaum richtig fest etablierte gelbe Linien gibt.
– „Koifarben“
Orangen-weiß gefleckte Medaka sind oft unter Rotweiß/Red&White/Bicolor/Bicolore oder Kouhaku (auch Kōhaku geschrieben, nicht zu verwechseln mit Kohaku, was „Amber“/Bernsteinfarben bedeutet) zu finden. „Tancho“ beschreibt Tiere mit rotem Kopf und weißem Körper. Diese besondere Musterung wird (wie jede Musterung auch) jedoch extrem variabel vererbt. Selbst wenn man gezielt Tancho Tiere kauft, ist die Chance auf Tanchos im Nachwuchs gering. Man benötigt also viel Nachwuchs, um die Musterung zu erhalten.

– Grau/Schwarz
Bei Grau bzw schwarz gibt es im Grunde fünf Varianten. Grau, gefleckt/marmoriert, Black Rim, blau und richtiges schwarz.
Grau ist die Grundfarbe, welche aus der Wildform stammt. im Teich wirken die Tiere durch Anpassung an den dunklen Untergrund schwarz, im Aquarium dagegen sind sie grau bzw. sehr blass.

Für Tiere mit gefleckter Schwarzfärbung gibt es verschiedene Ausdrücke. Ob Tiger, Marbled, Spotted, Nishiki oder Buchi, oder auch verwirrenderweise auch mal Bicolor/Bicolore – sie beschreiben das gleiche. Die Tiere haben auf dem ganzen Körper verteilt schwarze Flecken.

Black Rim beschreibt eigentlich schwarze Schuppenränder, wie sie z.B. bei Red Dragon zu finden sind. Am Körper sind die Schuppenränder schwarz umrandet, am Kopf ist das Schwarz eher zentral auf den Schuppen. Andere Linien wie Akari und Aurora zeigen das „ursprüngliche“ unselektierte Black Rim. Dieses ist schattiert über den ganzen Körper, aber nicht flächig.

Blau kommt zustande, wenn grau mit einem speziellen rezessiven Gen zusammentrifft, das die Farben auf dem Medaka heller wirken lässt. Es ist also keine eigene Farbe, sondern eine Abwandlung von grau!




Richtig schwarze Tiere kommen nur aus wenigen Linien. Klassisches Beispiel ist die alte Linie „Orochi„. Hier sorgt ein Gen für die kräftige Färbung, die auch im Aquarium nicht verloren geht. Ähnliche Linien sind Black Diamond und Jet Black Midnight Frill Widefin. Das dafür verantwortliche Gen wurde neuerdings auf mehrfarbige Linien gezüchtet, welche unter dem Zusatz „Wazumi“ zu finden sind.

– Tricolor/Tricolore/Sanshoku/Sansyoku
Eigentlich keine eigene Farbe, sondern eine Kombination aus Kouhaku und Tiger. Meiner Meinung nach die Kombination der Grundfarben, die am wenigsten stabil ist. Oft fallen aus dreifarbigen Linien sehr viele ein- oder zweifarbige Tiere, die Zucht ist also ein dauernder Kampf. Ein Grund, wieso ich so froh über meine Sanshoku Lamé bin, dort fällt ein guter Anteil an dreifarbigen Tieren. Auch hier sagen manche Leute „Koifarben“ dazu…. 🤔
– Lame/Lamé/Rame/Sparkled
Ganz einfach: Glanzschuppen. Lamé ist ein französischer Begriff, den die Japaner mit Rame/Lame übernommen haben, Sparkled ein Handelsname zum einfachen Verständnis. Einzelne Schuppen, die das Licht reflektieren. Auch in der Natur kommen einzelne Glanzschuppen auf den Wildformen vor, per Definition ist ein Lamé allerdings erst ein Lamé, wenn das Tier über 50 Glanzschuppen je Seite besitzt. Zählt da wer mit? Ich nicht 😅 Da ich zur Draufsicht von oben züchte, muss ein Lamé bei mir auch ausreichend Glanzschuppen von oben zeigen. Meistens ist die Seite dann schon sehr voll mit Glanz. Oft wird die darunter liegende Färbung reflektiert, manchmal besitzen die Linien aber auch eine eigene Färbung des Glanzes. Dazu gehört vor allem die beliebte „Sapphire Lamé“ Linie, bei der ein Großteil der Schuppen blau reflektiert. Aber auch hier ist viel Selektion notwendig, um den blauen Glanz zu erhalten.

– Miyuki/External Light/Outer Light/Taigaikou
Dieses Merkmal beschreibt einen kräftigen Glanzstreifen auf dem Rücken der Tiere, vorzugsweise von der Schnauzenspitze zur Schwanzwurzel, der sich von Lamé unterscheidet. Der etablierte Name „Miyuki“ kommt von dem Namen der Tochter des Züchters, der diese Mutation als erstes gezüchtet hat. Rein faktisch beschrieben ist es aber ein äußeres Leuchten (Reflektion von Licht) auf dem Rücken der Tiere. Sehr gut in allen Wassertiefen zu sehen, was auch die extreme Beliebtheit dieser Varianten erklärt.

– Internal Light/Inner Light/Tainaikou
Eines der selteneren Merkmale bzw mit (ungerechtfertig) geringer Beachtung. Die Tiere leuchten, bzw. reflektieren Licht dabei von innen. Teilweise wirken sie wie kleine LEDs die in unterschiedlichen Farben leuchten. Klassische Beispiele sind hierfür Hyakushiki oder die neueren Velvet (schwarze Hyakushiki), bei denen der ganze Körper leuchtet.



Allerdings gibt es auch andere Varianten, bei denen vor allem der hintere Körper leuchtet.

Dazu gehören himmelblaue Velvet, die eigentlich nicht das ursprüngliche Zuchtziel sind, sowie weiße Innerlight, die ich die Tage erst erhalten habe.

Wer genauer wissen möchte, wie sich welches Gen für welche Farbzelle vererbt, für den ist Günni auf den Unterseiten medaka genetics eifrig am tippen….
Flossenformen
Auf die Flossenformen gehe ich nur kurz ein.
– Longfin sind hierzulande etabliert. Ob Qualzucht oder elegant, da scheiden sich die Geister. Ich bevorzuge kurze, natürliche Flossen. Oft sind Longfin auch sehr empfindlich, was Temperatur und Wasserwerte angeht. Mehr dazu findet sich in den Übersichten hier!
– Double Anal Fin/Hikari
Tiere mit Hikari haben die Afterflosse auf dem Rücken gespiegelt, Oft auch einen Glanzstreifen ähnlich (aber schwächer) zu Miyuki. Diese Form ist allerdings anfälliger für Deformationen der Wirbelsäule, weshalb sie selten anzutreffen ist.
– Widefin
Bei Widefin wurde ich jetzt schwach! Hauptaugenmerk meiner neuen Projekte von 2024 lag in diesem Bereich. Im Endeffekt sind es „nur“ breitere (teilweise aber auch längere) Flossen, deren Ränder meist viel Glanz zeigen („Morpho“ genannt). Die Tiere leuchten daher auch mit den Flossen richtig, das external Light ist oft sehr gut. Das wird wahrscheinlich die Form, die sich für Aquarien in der Seitansicht durchsetzen wird, wenn sie nicht so empfindlich wie Longfin sind!
Das waren jetzt einfach ein paar grundlegende Begriffe der verschiedenen Zuchtformen in der Medaka-Welt, und ich erhebe definitiv keine Ansprüche auf Vollständigkeit!
Aber mit diesen Begriffen kann man zumindest ein paar Linien anhand ihrer Merkmale beschreiben. Man darf auch nicht vergessen, dass es Linien mit vielen unterschiedlichen Namen gibt, die ähnlich aussehen (Yozakura, Ulysses, Agrias, Aurora Yellow Lame und Miyazakura mal als Beispiel, für eigentlich orangeschwarze Tiere mit Lame). Jeder Züchter geht anders an ein Projekt dran, und hat das Recht, sein Endziel selbst zu benennen. Das macht es aber besonders schwer, sich in diesen vielen Linien zurecht zu finden. Und der Handel setzt dann nicht selten auch noch andere wohlklingende Namen ein… Ich hoffe aber, dass ich mit meiner Erklärung hier dem ein oder anderen Anfänger den Einstieg etwas erleichtern kann. Schließlich sind Medaka als „Minikoi“ für Miniteiche eine Bereicherung für jede Terrasse und durch die oberflächenorientierte Lebensweise eigentlich immer gut sichtbar. Den Einstieg wegen Problemen mit den Namen zu verpassen, wäre doch schade 😉
Text: Patrick Volk / Fischtümpel (Link zu Facebook) (edt. Günther Drütschel)
Fotos soweit nicht anders gekennzeichnet: Günther Drütschel.